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Spiegelstriche sind keine Erfindung der KI

Was ist ein Spiegelstrich (Gedankenstrich)?

Der Spiegelstrich hat deutlich mehr Tradition, als manch einer vermuten mag. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er häufig auch Gedankenstrich genannt. Typografisch korrekt handelt es sich dabei nicht um das Minuszeichen (-). Vielen Menschen ist der Gedankenstrich jedoch erst in jüngerer Zeit bewusst aufgefallen, da große Sprachmodelle (KI) ihn häufig korrekt verwenden. Im Computerzeitalter begegnet man dabei oft den Begriffen En-Dash (–) und Em-Dash (—). Im Deutschen wird in der Regel der En-Dash als Gedankenstrich verwendet, während der Em-Dash überwiegend im englischsprachigen Raum anzutreffen ist.

Interessanterweise verwenden tatsächlich ein Großteil der Computernutzer immer wieder das Minuszeichen als Ersatz. Dabei handelt es sich bekanntlich um einen mathematischen Operator und nicht um ein Satzzeichen. Ob aus Unwissenheit oder einfach aus Gewohnheit – das sei einmal dahingestellt – wird häufig der Operator anstelle des korrekten typografischen Zeichens verwendet. Wobei das Minuszeichen als Worttrenner durchaus verwendet wird.
ZeichenBezeichnungVerwendungWindowsmacOS
-Bindestrich
(Hyphen)
Wortverbindungen, Silbentrennung, z. B. E-Mail, QR-Code--
Gedankenstrich
(En-Dash)
Gedankenstrich im Deutschen, Spannweiten (z. B. 10–20 Uhr)Alt + - + -
Geviertstrich
(Em-Dash)
Einschübe, vor allem im EnglischenUmschalt + Alt + - + Umschalt + -

Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie sich diese Zeichen überhaupt eingeben lassen. Schließlich besitzen weder der Gedankenstrich noch viele andere typografische Zeichen eine eigene Taste auf der Tastatur. Ähnlich verhält es sich mit den Anführungszeichen. Sehr häufig werden die geraden Anführungszeichen (") verwendet, obwohl im Deutschen typografisch die öffnenden () und schließenden () Anführungszeichen vorgesehen sind.
ZeichenBezeichnungVerwendungWindowsmacOS
"Gerade AnführungszeichenHäufig auf der Tastatur vorhanden.Umschalt + 2Umschalt + 2
Öffnendes deutsches AnführungszeichenBeginn eines Zitats oder einer wörtlichen RedeAlt + 0132 + ^
Schließendes deutsches AnführungszeichenEnde eines Zitats oder einer wörtlichen RedeAlt + 0147 + 2

Auch geschützte Leerzeichen scheinen vielen Menschen unbekannt zu sein. Viel zu häufig sieht man beispielsweise, dass der Name Max Müller bei einem Zeilenumbruch getrennt wird. Dann steht am Ende der einen Zeile nur noch Max und in der nächsten Zeile beginnt Müller. Genau das lässt sich durch ein geschütztes Leerzeichen verhindern. Unter Windows funktioniert dies mit Strg + Shift + Leertaste, unter macOS mit Alt/Option (⌥) + Leertaste.

Es kann alles so einfach sein – man muss nur wissen, wie es geht. Vor allem sollte man verstehen, warum manche Dinge so sind, wie sie sind.

In letzter Zeit lese ich jedoch immer häufiger, dass Autoren allein deshalb unterstellt wird, ihre Texte seien von einer KI geschrieben worden, weil darin typografisch korrekte Zeichen verwendet werden.

Nein – ein typografisch korrekt gesetzter Gedankenstrich bedeutet keineswegs, dass ein Text von einer KI stammt. Er zeigt lediglich, dass sich der Autor mit korrekter Typografie, Satzzeichen und den Möglichkeiten seiner Tastatur beschäftigt hat. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied.

Übrigens – und das ist meine persönliche Meinung – ist es schließlich auch nicht verwerflich, wenn ein Elektroinstallateur eine Schlitzfräse verwendet, um Kabelschlitze in eine Wand zu fräsen. Natürlich könnte er die Schlitze auch noch mit Hammer und Meißel herstellen. Doch warum sollte er auf moderne Werkzeuge verzichten, wenn sie ihm die Arbeit erleichtern und gleichzeitig ein gutes Ergebnis liefern?

Genauso sehe ich den verantwortungsvollen Umgang mit KI. Warum sollte man sich bei bestimmten Aufgaben nicht sinnvoll unterstützen lassen? Ein Lektor verfolgt letztlich ein ähnliches Ziel: Er hilft dabei, Texte sprachlich zu verbessern, Fehler zu erkennen und die Lesbarkeit zu erhöhen.

KI ist kein Verbrechen. Richtig eingesetzt bedeutet sie vor allem, effizienter und bewusster arbeiten zu können. Sie ersetzt weder Kreativität noch Fachwissen, sondern kann diese sinnvoll ergänzen.

Sprache entwickelt sich ständig weiter. Moderne Werkzeuge wie KI können dabei helfen, Texte zu verbessern – genauso wie Rechtschreibprüfungen oder Lektoren. Am Ende zählt jedoch nicht, welches Werkzeug verwendet wurde, sondern ob der Inhalt verständlich, korrekt und hilfreich ist. Ein Gedankenstrich macht einen Text jedenfalls noch lange nicht zu einem KI-Text.

Fun Fact

Wer kennt eigentlich den Unterschied zwischen KI und AI?

Eigentlich gibt es gar keinen. KI ist die deutsche Abkürzung für Künstliche Intelligenz, während AI für den englischen Begriff Artificial Intelligence steht (vereinfachte Lautschrift: aa-ti-FI-schl in-TE-li-dschans).

Beide Begriffe beschreiben dieselbe Technologie. In Deutschland liest man meist KI, international dagegen fast ausschließlich AI. Lass Dich davon also nicht verwirren – gemeint ist immer dasselbe.

KI-Texte erkennen
Ich habe ein Tool entwickelt, mit dem Du einen Text analysieren kannst. Dabei werden sowohl typische Formatierungen als auch häufig verwendete Formulierungen erkannt, die in KI-generierten Texten vorkommen können. Die eingegebenen Texte werden dabei nicht gespeichert – die gesamte Analyse erfolgt ausschließlich lokal in Deinem Browser.
Bitte beachte:
Das Ergebnis dieser Analyse stellt keinen Beweis dar. Es weist lediglich auf statistische Merkmale hin, die häufig in maschinell erzeugten Texten vorkommen.


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Über den Autor
Sven Owsianowski aka Wattblicker
Sven Owsianowski aka Wattblicker
Softwareentwickler, Autor & Dozent (Informatik)
Seit fast 30 Jahren baue ich Software, die aus echten Alltagsproblemen klare Lösungen macht – angefangen bei Bobaro, weiter über den QR‑Code Creator bis hin zu ICE Notfallinfo. Ich mag Technik, die verständlich bleibt, sicher funktioniert und Menschen wirklich hilft. Besonders ziehen mich KI, IT‑Sicherheit und digitale Werkzeuge an, die nicht nur clever sind, sondern nützlich. Auf wattblicker.de schreibe ich über Technik, die Freude macht statt Kopfzerbrechen.