Der wohl berühmteste literarische Mittelfinger der deutschen Geschichte.
Manchmal schreibt Literatur Geschichte.
Und manchmal schreibt sie Sätze, die selbst nach 250 Jahren noch mit hochgezogener Augenbraue zitiert werden.
Einer davon stammt aus Johann Wolfgang von Goethes Drama „Götz von Berlichingen“ (1773):
„Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“
Ja. Das steht da wirklich so.
Und nein – das war kein Ausrutscher.
Wer war Götz von Berlichingen?
Götz von Berlichingen (1480–1562) war eine reale historische Figur.
Ein fränkischer Reichsritter, Söldnerführer – und offenbar kein Mann großer diplomatischer Umwege.
Berühmt wurde er auch wegen seiner eisernen Hand:
Nach einer Verletzung ließ er sich eine mechanische Prothese anfertigen. Für das 16. Jahrhundert war das nahezu High-Tech.
Goethe griff diese Figur auf und machte sie im Geist des Sturm und Drang zur Symbolfigur für Freiheitswillen, Unabhängigkeit und Widerstand gegen Autorität.
Der Kontext im Drama
Im Stück wird Götz von kaiserlicher Seite zur Unterwerfung aufgefordert.
Ein Hauptmann der Reichstruppen überbringt ihm die Botschaft.
Die Antwort?
- Nicht diplomatisch.
- Nicht höflich.
- Nicht protokollfähig.
Sondern direkt.
Der berühmte Satz steht für Rebellion gegen Bevormundung und für das klare „Nicht mit mir“.
Typisch Sturm und Drang:
- Gefühl vor Gehorsam
- Freiheit vor Etikette
- Persönlichkeit vor Obrigkeit
Der „Schwäbische Gruß“
Der Ausspruch gilt als Ursprung des sogenannten „Schwäbischen Grußes“.
Ob der historische Götz exakt diese Worte gesagt hat, ist nicht belegt.
Doch Goethe machte daraus ein literarisches Statement – und damit ein geflügeltes Wort.
Seitdem steht der Satz sinnbildlich für deutlichen Widerspruch.
Mit literarischem Siegel.
Und wie sagt man das heute?
Natürlich würde heute kaum jemand im Meeting aufstehen und sagen:
„Er kann mich im Arsche lecken.“
Wir sind gesellschaftsfähiger geworden.
Oder zumindest kreativer.
Moderne Varianten lauten:
- „Er kann mich mal.“
- „Nicht mit mir.“
- „Das mache ich nicht mit.“
Und wenn man es charmant, gebildet und mit einem Augenzwinkern sagen möchte, dann vielleicht so:
„Er kann mich mal – Götz von Berlichingen.“
Das klingt nach Literatur statt Lautstärke.
Nach Ironie statt Impuls.
Und jeder, der den Hintergrund kennt, weiß trotzdem ganz genau, was gemeint ist.
Man könnte sagen:
Die elegante Version von „… am Arsch lecken“.
Wusstest Du schon? 👀
- 📚 „Götz von Berlichingen“ erschien 1773 und wurde zu einem der ersten großen Werke des Sturm und Drang.
- 🛡 Der historische Götz verfasste eine Autobiografie.
- ⚙ Seine eiserne Hand konnte einzelne Finger bewegen – eine technische Besonderheit seiner Zeit.
- 🗣 Der berühmte Satz gehört heute zu den bekanntesten Zitaten der deutschen Literatur.
- 🕰 Das Werk ist gemeinfrei und darf frei zitiert werden.
Rechtlicher Hinweis
Das Werk „Götz von Berlichingen“ von Johann Wolfgang von Goethe (1773) ist gemeinfrei.
Das zitierte Textfragment darf verwendet werden.
Dieser Beitrag dient der literarischen und historischen Einordnung eines bekannten Zitats.
Es handelt sich nicht um eine persönliche oder politische Aufforderung, sondern um eine kulturgeschichtliche Betrachtung.
Fazit
Manchmal braucht Literatur keine komplizierte Analyse.
Manchmal reicht ein einziger Satz.
- Nicht höflich.
- Nicht diplomatisch.
- Aber literarisch unsterblich.
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