Review Sehr geehrte Damen und HerrenKI bearbeitet
Abbildung beispielhaft · Redaktionelle Darstellung

Sehr geehrte Damen und Herren: Schreibt man das heute eigentlich noch?

Hallo und willkommen im Daten‑Orbit.

Von klassischen Briefanreden, kleinen Kommafallen und einer neuen Art der Höflichkeit.

Zwischen Einsen und Nullen, Software und Technik darf es auch mal um etwas ganz AlltĂ€gliches gehen. Schließlich schreiben wir am Computer oder Smartphone nicht nur Programmcode, sondern auch E-Mails, GeschĂ€ftsbriefe und Nachrichten.

Aber Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt einen Brief mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ begonnen? Und ist das heute eigentlich noch zeitgemĂ€ĂŸ?

Von „Sehr geehrt“ zu „Guten Tag“

FrĂŒher gehörte die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ zum guten Ton. Gerade bei geschĂ€ftlichen Schreiben war sie nahezu selbstverstĂ€ndlich.

Heute sieht das etwas anders aus. Die Kommunikation ist persönlicher und hĂ€ufig auch lockerer geworden. Ein einfaches „Guten Tag“ oder „Guten Tag, Frau MĂŒller“ wirkt freundlich, ohne dabei respektlos zu sein.

Ist die klassische Anrede deshalb falsch? Ganz und gar nicht! Sie ist weiterhin korrekt und gerade bei Behörden, offiziellen Schreiben oder besonders förmlichen AnlÀssen durchaus angebracht.

Es kommt eben darauf an, wem du schreibst.

Und was ist mit den freundlichen GrĂŒĂŸen?

Hier versteckt sich ein kleiner Klassiker der deutschen Rechtschreibung.

Viele setzen hinter „Mit freundlichen GrĂŒĂŸen“ ganz selbstverstĂ€ndlich ein Komma. Doch genau dort gehört keines hin!

Richtig
Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Max Mustermann
Falsch
Mit freundlichen GrĂŒĂŸen,
Max Mustermann

Das ist ĂŒbrigens keine neue Regel. Das Komma war an dieser Stelle auch frĂŒher schon nicht vorgesehen.

Auch die Grußformel1 selbst hat inzwischen Gesellschaft bekommen. „Viele GrĂŒĂŸe“, „Beste GrĂŒĂŸe“ oder „Herzliche GrĂŒĂŸe“ sind heute weit verbreitet und wirken oft persönlicher.

Ein Komma, das tatsÀchlich sein muss

WĂ€hrend das Komma bei der Grußformel nichts zu suchen hat, gehört es hinter die ĂŒbliche Anrede durchaus hin.

Beispielsweise:
PLAIN
Sehr geehrte Frau MĂŒller,

vielen Dank fĂŒr Ihre Nachricht.

Nach dem Komma beginnt der folgende Satz in der Regel mit einem Kleinbuchstaben, sofern nicht ohnehin eine Großschreibung erforderlich ist.

Das gilt ĂŒbrigens genauso fĂŒr ein freundliches „Hallo Sven,“.

Du, du oder Sie: Was ist eigentlich richtig?

Auch bei der persönlichen Ansprache hat sich einiges verĂ€ndert. WĂ€hrend frĂŒher im geschĂ€ftlichen Schriftverkehr ĂŒberwiegend gesiezt wurde, ist das „Du“ heute in vielen Unternehmen und besonders im digitalen Umfeld selbstverstĂ€ndlich geworden.

Aber Vorsicht: Ob du jemanden duzt oder siezt, ist keine Frage der Rechtschreibung, sondern des Umgangs miteinander. Gerade beim ersten Kontakt mit unbekannten Personen ist das „Sie“ hĂ€ufig weiterhin die sichere und höfliche Wahl.

Spannend wird es bei der Groß- und Kleinschreibung.

Die höfliche Anrede „Sie“, „Ihnen“ und „Ihr“ wird immer großgeschrieben, wenn damit eine Person direkt angesprochen wird.

Bei „du“, „dich“, „dir“, „dein“ und den entsprechenden Formen ist das anders. GrundsĂ€tzlich werden diese Wörter kleingeschrieben. In Briefen, E-Mails und vergleichbaren persönlichen Mitteilungen ist jedoch auch die Großschreibung erlaubt.

Ein „Vielen Dank fĂŒr Deine Nachricht“ ist also genauso korrekt wie „Vielen Dank fĂŒr deine Nachricht“.

In anderen Textarten, beispielsweise in Romanen oder allgemeinen Sachtexten, ist dagegen grundsÀtzlich die Kleinschreibung vorgesehen.

Mein kleiner Tipp
Entscheide dich fĂŒr eine Schreibweise und bleibe innerhalb deiner Nachricht dabei. Das wirkt einheitlich und macht den Text angenehmer lesbar.


Höflichkeit verÀndert sich

Was frĂŒher als besonders respektvoll galt, kann heute gelegentlich etwas steif wirken. Unsere Kommunikation hat sich verĂ€ndert. Wir schreiben direkter, persönlicher und hĂ€ufiger auf Augenhöhe2.

Dazu gehört auch die Frage, wie wir Menschen ansprechen, deren Namen oder Geschlecht wir nicht kennen.

Statt „Sehr geehrte Damen und Herren“ kann beispielsweise ein neutrales „Guten Tag“ eine gute Wahl sein. Damit fĂŒhlen sich auch Menschen angesprochen, die sich nicht der traditionellen Einteilung in Damen und Herren zuordnen.

Das bedeutet aber keineswegs, dass traditionelle Anreden grundsÀtzlich unhöflich oder diskriminierend sind. Es gibt heute einfach mehr Möglichkeiten, eine passende Ansprache zu wÀhlen.

Muss jetzt alles anders werden?

Nein, natĂŒrlich nicht! 😊

Wer weiterhin „Sehr geehrte Damen und Herren“ und „Mit freundlichen GrĂŒĂŸen“ verwendet, macht sprachlich nichts falsch.

Und wer lieber mit „Guten Tag“ beginnt und sich mit „Beste GrĂŒĂŸe“ verabschiedet, ist deshalb nicht weniger höflich.

Höflichkeit hĂ€ngt schließlich nicht allein von einer bestimmten Formulierung ab, sondern vor allem davon, wie wir miteinander umgehen.

Vielleicht ist genau das die schönste Entwicklung: Wir dĂŒrfen heute etwas persönlicher schreiben, ohne dabei den Respekt voreinander zu verlieren.

Und damit wÀren wir wieder bei unseren Computern und Smartphones. Denn ganz gleich, wie modern unsere Technik wird:
Am anderen Ende unserer Nachrichten sitzt meistens immer noch ein Mensch.


Quellen und weiterfĂŒhrende Informationen

Hinweis: Die Aussagen wurden am 26. Oktober 2026 anhand der folgenden Quellen geprĂŒft.
Aussage im ArtikelQuelle
„Sie“, „Ihnen“, „Ihr“ werden in der höflichen Anrede immer großgeschrieben (§ 65)Amtliches Regelwerk 2024, Rat fĂŒr deutsche Rechtschreibung
„du“, „dein“ usw. werden grundsĂ€tzlich kleingeschrieben, in Briefen ist Großschreibung erlaubt (§ 66)Amtliches Regelwerk 2024 · Duden
In E-Mails und persönlichen Mitteilungen ist die Großschreibung von „Du“ möglich, in Romanen und Sachtexten nichtDuden
Hinter „Mit freundlichen GrĂŒĂŸen“ steht kein KommaGfdS
Hinter der Anrede („Sehr geehrte Frau MĂŒller,“) steht ein Komma, der Text beginnt klein, außer bei Substantiven und „Sie“GfdS
„Sehr geehrte Damen und Herren“ ist die förmliche AnredeGfdS
„Beste GrĂŒĂŸe“ und „Herzliche GrĂŒĂŸe“ sind gebrĂ€uchliche GrußformelnGfdS



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Über den Autor
Sven Owsianowski aka Wattblicker
Sven Owsianowski aka Wattblicker
Softwareentwickler, Autor & Dozent (Informatik)
Seit fast 30 Jahren baue ich Software, die aus echten Alltagsproblemen klare Lösungen macht – angefangen bei Bobaro, weiter ĂŒber den QR‑Code Creator bis hin zu ICE Notfallinfo. Ich mag Technik, die verstĂ€ndlich bleibt, sicher funktioniert und Menschen wirklich hilft. Besonders ziehen mich KI, IT‑Sicherheit und digitale Werkzeuge an, die nicht nur clever sind, sondern nĂŒtzlich. Auf wattblicker.de schreibe ich ĂŒber Technik, die Freude macht statt Kopfzerbrechen.

  1. Die Grußformel ist der Abschluss eines Briefes oder einer E-Mail, direkt vor dem Namen.
  2. Auf Augenhöhe heißt: gleichberechtigt und ohne Förmlichkeit, die Abstand schafft.